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...und
hier unser

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Olympia
2006 im Pressespiegel
- Sonderveröffentlichung -
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Gäubote
- Titelseite: 11.02.2006
Winterspiele in Turin eröffnet
Startverbot für DSV-Langläuferin
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Turin (StN) - Mit
einer aufwändigen Show sind am Freitagabend die XX. Olympischen
Winterspiele in Turin eröffnet worden.
An diesem
Wochenende fallen bereits zwölf Entscheidungen. Doch schon vor dem
offiziellen Startschuss wurde die Stimmung im deutschen Lager getrübt.
Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle darf in den ersten beiden
Wettbewerben nicht starten, da sie vom internationalen Skiverband Fis
wegen eines zu hohen Hämoglobinwerts mit einer Schutzsperre belegt worden
ist. „Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen, ich verstehe
einfach nicht, warum ich nicht laufen darf", klagte die 25-Jährige. Der
Deutsche Skiverband (DSV) versucht nun, das Startrecht einzuklagen.
Ein
Erfolgserlebnis feierte dagegen Thomas Bach. Der langjährige
Spitzenfunktionär kehrt in die Führungsetage des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) zurück. Die 118. IOC-Vollversammlung wählte
den 52-jährigen Rechtsanwalt aus Tauberbischofsheim zum
IOC-Vizepräsidenten. |
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Kati Wilhelm geht vornweg:
Die deutschen Athleten ziehen ins Turiner Olympiastadion ein
Foto:
AP |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 11.02.2006
Farbenfrohes Fest zur Eröffnung
Zeremonie mit 6000 Künstlern
VON
ULRIKE JOHN |
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Turin (dpa)
- Mit einem farbenfrohen Fest voll italienischer Lebensfreude haben am
Freitagabend in Turin die Olympischen Winterspiele begonnen. Um 22.09
Uhr gab Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi mit der traditionellen
Formel „Ich erkläre die XX. Olympischen Winterspiele von Turin für
eröffnet" das Startsignal für das zweite Weltfest des Wintersports in
Italien nach Cortina d'Ampezzo 1956.
An dem 16-tägigen Spektakel auf Eis und Schnee in der Hauptstadt des
Piemont und der rund 100 Kilometer entfernten Bergregion um Sestriere
nehmen rund 2500 Sportler aus 80 Ländern teil.
Vor 35 000
Zuschauern im Stadio Olimpico forderte Jacques Rogge, der Präsident des
Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Teilnehmer dazu auf,
„diesen Spielen die Magie zu geben, die wir alle wünschen, und zwar
nicht nur durch ihre Leistung, sondern auch durch ihr Verhalten".
„Turin ist stolz,
Sie bei uns zu haben. Wir empfangen Sie mit Herzlichkeit", sagte
Valentino Castellani, der Präsident des Organisationskomitees nach der
mit Temperament und Leichtigkeit inszenierten Show.
Als 32. Land marschierte die
deutsche Mannschaft angeführt von der Biathletin Kati Wilhelm als
Fahnenträgerin ins Stadion ein.
Vor dem Einmarsch der teilnehmenden Länder hatten die durch Disco-Musik
der 70er Jahre in Partystimmung versetzten Zuschauer eine Atem
beraubende Show geboten bekommen. Rund 6000 Künstler erfüllten die Feier
mit Leben. Tanzeinlagen wechselten sich ab mit spektakulärer Akrobatik
und Ausflügen in die Geschichte. |
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Sonntag
Aktuell
- Titelseite:12.02.2006
Zweimal
Gold in Turin
Sensationeller
Olympiastart |
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Turin
(tag). Michael Greis aus
Nesselwang
und Georg Hettich aus Schonach
haben am Samstag dem deutschen
Team einen sensationellen Auftakt der Olympischen Winterspiele beschert.
Greis holte die erste Goldmedaille der Turin-Spiele im 20-Kilometer-Biathlon
vor dem Favoriten Ole Einar Björndalen und dessen
norwegischem Landsmann Halvard Hanevold. Einer der ersten Gratulanten in
der Biathlonarena von San Sicario war Bundespräsident Horst Köhler.
Nur 80 Minuten später düpierte auch der
Schwarzwälder Hettich die gesamte Weltelite der nordischen Kombination
und sicherte sich den ersten großen Erfolg seiner Laufbahn. Hettich
konnte sein Glück kaum fassen: „Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im
Fernsehen, und jetzt bin ich selber einer." Er hatte den Grundstein für
seinen Erfolg auf der Sprungschanze von Pragelato gelegt, als er mit
101,5 und 104 Metern bester Springer war und als Erster zum Langlauf in
die Loipe ging.
Für die Langläuferin Evi Sachenbacher gab
es dagegen kein Happy End. Ihre Schutzsperre wegen eines zu hohen
Hämoglobinwerts wurde vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS)
bestätigt. Damit kann sie heute nicht starten. Seite 9 bis 12 |
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Laufen, schießen, jaaaa!
Michael Greis bescherte dem deutschen Team einen fulminanten Start bei
den Olympischen Winterspiel in Turin - und riss seine
Mannschaftskollegen mit. Gold gab es auch in der
nordischen Kombination.
Bild:
sportphoto |
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Sonntag
Aktuell
- Turin 2006: 12.02.2006
Michael Greis gewinnt Gold im 20-Kilometer-Biathlon
Ein Bayer
liebt die dünne Höhenluft
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Der Favorit
hieß Ole Einar Björndalen, der Sieger Michael Greis. „Er läuft in der
Höhe besser als im Flachen", lobte der Norweger seinen Bezwinger.
Ein Sieg über
Ole Einar Björndalen bei Olympischen Spielen ist eine Großtat wie es ein
Triumph über Lance Armstrong bei der Tour de France gewesen wäre. Doch
keinem Radprofi ist dies je gelungen. Michael Greis aber hat es
geschafft, den König der Biathleten vom Thron zu „schießen".
Weil der
norwegische Supermann zweimal daneben zielte, der 29-jährige Allgäuer
aus Nesselwang sich aber bei zwanzig Schüssen nur einen Fehler leistete,
wurde Michael Greis Olympiasieger über die 20-Kilometer-Strecke. Die
größere Laufstärke half der norwegischen Berühmtheit nicht mehr, die
zwei Strafminuten noch wettzulaufen. 16 Sekunden fehlten am Ende.
Als
Glücksbringer für den 29 Jahre alten Sportsoldaten betätigten sich
Bundespräsident Horst Köhler auf der Tribüne und IOC-Vizepräsident
Thomas Bach am Schießstand. „Ich freue mich, dass meine Anwesenheit
Glück gebracht hat. Die erste Medaille sorgt für einen zusätzlichen Push
für die ganze Mannschaft", meinte Köhler, der 40 Minuten zu spät zum
Rennen eintraf, aber telefonisch die ganze Zeit unterrichtet war.
Mit dem
deutschen Sieg war aber trotzdem nicht zu rechnen gewesen. Der 32 Jahre
alte Norweger Björndalen ist eine lebende Legende in dieser Sportart:
fünfmaliger Olympiasieger. Vor vier Jahren gewann er alle vier
Wettbewerbe. Als vor vier Wochen beim Weltcup in Ruhpolding Journalisten
auf den abwesenden Norweger hinwiesen, reagierte Greis genervt. Ihm
würde zu viel über Björndalen geredet als über die tollen Leistungen der
deutschen Athleten.
Nun hat Greis
den Superstar der Szene geschlagen und empfand darüber eine gewisse
Genugtuung. „Er ist einer von den härtesten Nüssen, die man knacken
muss. Aber auch Ole Einar Björndalen ist schlagbar, und es freut mich,
dass ich ihn gleich im ersten Rennen geknackt habe." Die Entscheidung
über das Gold fiel am Schießstand. Greis leistete sich nur einen
Fehlschuss, beim ersten Schießen stehend. Eine Strafminute. Björndalen
aber verfehlte die Scheibe |
jeweils beim
ersten liegend und stehend Schießen. 54:23,0
Minuten lautete die Siegerzeit. Mit ebenfalls
zwei Fehlschüssen reichte es für den Norweger Halvard Hanevold (1:08,9
Minuten Rückstand) zur Bronzemedaille hinter seinem Landsmann.
Michael Greis
ist zwar kein Seriensieger wie die bisher berühmteren und mit vielen
Medaillen dekorierten Mannschaftskollegen Ricco Gross oder Sven Fischer,
aber ihm liegen die lange Distanz und extreme Höhe. Im vergangenen Jahr
hatte er auf der 1600 Meter hohen Olympiastrecke von San Sicario seinen
ersten und bisher einzigen Weltcupsieg errungen und dabei ebenfalls
Björndalen bezwungen. „Er läuft in der Höhe besser als im Flachen und
schießt auf der langen Strecke gut", sagte Björndalen anerkennend über
seinen Bezwinger. Trotz der Anstrengung in der Loipe zeichnet Greis eine
ruhige Hand am Schießstand aus.
Wegen dieser
Fähigkeiten war er für Hanevold auch von vornherein der große Favorit.
„Wer Michis Sieg für eine Überraschung hält, der hat Biathlon in den
letzten Jahren nicht verfolgt." Zumal Greis nach eigener Einschätzung
„heuer läuferisch eine bessere Form hat". Nach dem einen Fehlschuss sei
ihm nur noch ein Gedanke durch den Kopf gegangen: „Jetzt möchte, will
und muss ich alle treffen, um noch vorne dabei zu sein. Ich bin froh,
über meine gute Leistung." So spricht einer, der sich seiner
Goldmedaille noch nicht recht bewusst geworden ist.
Bei den Spielen
2002 war Greis noch nicht aufgefallen. Er belegte über zehn Kilometer
Platz 15 und in der Verfolgung Platz 16. Bei den Weltmeisterschaften
2005 wurde er aber Zweiter über die 20-Kilometer-Strecke und gewann mit
der Staffel den Titel.
,,Ich habe eine
Karriere der kleinen Schritte hinter mir", sagte Michael Greis und
konnte nun den großen Schritt kaum genießen. „Ich hätte dazu gerne
einmal fünf Minuten für mich", sagte der Olympiasieger, als er nach
seinem Weg durch die Institutionen und Fernsehstationen in der Mixed
Zone der Printjournalisten angelangt war. Björndalen war neuneinhalb
Minuten. nach dem Allgäuer gestartet. Michael Greis konnte nicht
einschätzen, wie groß der Vorsprung nach Björndalens letztem Schießen
noch war. „Ich habe gehofft, dass es langt. Und es hat gelangt. Jetzt
bin ich wunschlos glücklich."
Hartmut Scherzer |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 13.02.2006
Biathlet
Greis auf den Spuren von Carl Lewis
Olympiasieger
gilt im Allgäu als Sportexot |
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Michael Greis
war sichtlich erschöpft. Der Gang leicht schleppend, die Augen immer
kleiner werdend. Es war am Samstag um kurz vor Mitternacht, und der
Biathlet war von den aufregenden Ereignissen des Tages gezeichnet. Am
Mittag hatte der 29-Jährige in San Sicario über 20 Kilometer die erste
Goldmedaille der Olympischen Winterspiele 2006 gewonnen, womit die
Hektik ihren Lauf nahm.
Pressekonferenz, Dopingkontrolle, mit einer Polizeieskorte ins 80
Kilometer entfernte Turin zur Medaillenzeremonie, dann wieder zurück und
direkt ins ZDF-„Sportstudio". Dort verbuchte Greis gleich seinen
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Christian
Meyer |
Unser Redaktionsmitglied berichtet aus Turin |
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nächsten Sieg.
Er gewann auf der Terrasse des Studios ein abenteuerliches
Torwandschießen gegen den nordischen Kombinierer Georg Hettich und einen
Zuschauer. Greis hatte einmal oben links getroffen. Danach hielt er den
Ball wieder flach: „Ich brauche jetzt erst einmal ein bisschen Ruhe, um
das alles zu verarbeiten."
Er wird eine
Menge zu tun haben damit. Denn wie so viele Olympiasieger, sprach auch
Greis davon, sich einen Traum erfüllt zu haben. Und dann erzählte er
eine Geschichte aus seiner Kindheit, von 1984. Greis war acht Jahre alt,
und im Fernsehen sah er, wie ein US-Amerikaner namens Carl Lewis bei den
Olympischen Sommerspielen vier Goldmedaillen gewann. Es war ein sehr
nachhaltiges Erlebnis. „Ich dachte nur: Wow, was für ein cooler Typ - so
will ich auch mal werden." Noch vor ein paar Jahren deutete nicht viel
darauf hin, dass ihm das auch gelingen könnte. Greis kommt aus
Nesselwang im Allgäu, wo Biathlon nicht gerade als Sportart der ersten
Wahl gilt. Und immer, wenn Greis im Sommer mit seinen Rollski
trainierte, schüttelten die Einheimischen den Kopf und bemerkten schon
fast mitleidig: „Jo mei, der Greis-Michi." Sie hielten ihn für seltsam.
Das änderte
sich nur langsam. Denn viele Jahre stand Greis im Schatten von Frank
Luck, Ricco Groß und Sven Fischer. An ihnen kam kein junger Biathlet
vorbei. Und es soll eine Zeit gegeben haben, als Greis ernsthaft daran
dachte, seine Karriere endgültig zu beenden. Auch wenn er heute sagt:
„Ich habe immer an mich geglaubt. Es ging zwar nicht steil, aber stetig
bergauf." Sein erstes Weltcuprennen gewann er vor einem Jahr - in San
Sicario, wo er auch am Samstag triumphierte. Für einige Beobachter kam
das einer kleinen Sensation gleich, was sie Greis im |
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Michael Greis: „Ein
Überraschungssieger war ich nicht"
Foto:
Rauchensteiner |
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Anschluss an
das Rennen auch mitteilten. Nun war es an dem 29-Jährigen, verwundert zu
reagieren: „Ich war vielleicht nicht der größte Favorit - aber ein
Überraschungssieger bin ich auch nicht."
Eine Theorie,
die Ole Einar Björndalen und Halvard Hanevold rückhaltlos unterstützten.
Die beiden Norweger folgten auf den Plätzen zwei und drei, was sie aber
nicht gänzlich unerwartet traf. „Michi war für mich einer der
Sieganwärter", sagte Björndalen, „heute war er einfach zu perfekt für
mich. Er ist ein würdiger Olympiasieger." Greis saß daneben, überlegte
kurz und erwiderte grinsend: „Ole Einar muss in der Öffentlichkeit ja
was Nettes über mich sagen." Eine Strategie, der sich Hanevold übrigens
unverzüglich anschloss.
Er belehrte
alle Ungläubigen: „Wer Michi für einen Außenseiter gehalten hat, hat den
Biathlon zuletzt nicht sehr gut verfolgt." Doch auch für dieses Urteil
hatte der launige Greis eine logische Erklärung: „Ich habe Halvard für
die Aussagen bezahlt." Billig kann das nicht gewesen sein, bei so viel
Lob. Spätestens am Dienstag (13.30 Uhr/ ZDF) werden die Freundlichkeiten
ein Ende haben. Dann steht in San Sicario der Sprint auf dem Programm.
Außenseiter ist Greis dann für keinen mehr. |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 15.02.2006
Sven Fischer
krönt seine große Karriere
Der Biathlet
aus Oberhof gewinnt sein erstes olympisches Einzel-Gold |
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Turin -
Völlig erschöpft sank Sven Fischer nach dem Rennen seines Lebens in den
Schnee. Der 34 Jahre alte Biathlet konnte sein Glück- kaum fassen:
Erstmals in seiner Karriere gewann der Oberhofer eine olympische
Goldmedaille in einem Einzelrennen.
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VON PETRA
MUZENHARDT zurzeit Turin
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Minutenlang
blieb Fischer nach seinem Triumph über 10 Kilometer im Zielraum liegen.
Zum einen musste er sich erholen, zum anderen kostete er diesen
einzigartigen Moment aus. „Ich wusste, gleich ist es mit der Ruhe
vorbei", sagte Fischer, der nach 26:11,6 Minuten über die Ziellinie
gerast war und den Norwegern Halvard Hanevold und Frode Andresen das
Nachsehen gab.
Zweimal Gold
(1994/Lillehammer und Nagano/1998) und einmal Silber (2002/Salt
Lake City) mit der Staffel, zudem Silber im 10-km-Sprint in Salt
Lake City hat Sven Fischer gewonnen. Nur die lang ersehnte Goldmedaille
im Einzel fehlte dem 34-Jährigen.
Daher ging er
in San Sicario hoch motiviert an den Start. Doch richtig wohl fühlte er
sich nicht. Die Höhe machte ihm zu schaffen, der Schnee war zu langsam,
und auch kurz nach dem Start hatte er nicht unbedingt das Gefühl, Bäume
ausreißen zu können. „Es lief anfangs brutal zäh. Da gab es nur eines:
volle Konzentration auf das Schießen", gestand er. Sowohl im
Liegendschießen als auch im Stehen blieb er fehlerfrei.
Danach lief es
wie am Schnürchen. „Ich bin volle Pulle gelaufen, jetzt bin ich
natürlich überglücklich," sagte Fischer, der nach einem Daumenbruch im
Sommer sogar schon sein Karriereende befürchtet hatte.
Erster
Gratulant nach dem furiosen Lauf seines Sohnes war Vater Willi. Im
Zielraum fielen sich |
die beiden um
den Hals. Es flossen reichlich Freudentränen. „Ich habe es
ihm so sehr gegönnt und kann es noch gar nicht fassen. Nach 32
Einzelsiegen ist der 33. die Krönung seiner Laufbahn", sagte Fischer
senior, der seinen Sohn sowohl in Lillehammer als auch in Salt Lake City
unterstützte. In Nagano drückte Mutter Helga die Daumen. „Diesmal sind
wir beide dabei. Wir dachten, wenn wir gemeinsam die Daumen drücken,
muss es einfach klappen", erzählte Willi Fischer, „ich muss jetzt beim
Doktor bleiben. Ich bekomme fast einen Herzkasper." Nur auf Ehefrau
Doreen und auf das zweijährige Töchterchen Emilia musste der
Olympiasieger verzichten. Die fieberten vor dem Fernsehschirm mit und
kommen erst kommende Woche nach Turin.
Nicht ganz so
gut verlief das Rennen für Michael Greis. Der Olympiasieger über 20
Kilometer kam nach 28:22,90 Minuten nur auf Platz 35. Nach drei
Fahrkarten beim Schießen hatte der 29-Jährige aus Nesselwang keine
Chance auf eine bessere Platzierung. „Das war einfach schwach von mir.
Ich habe mir mehr vorgenommen", sagte Greis, der sich aber riesig
über die Goldmedaille für Sven Fischer freute: „Es ist doch schön, wenn
ein Teamkollege in die Bresche springt." Und auch Ricco Groß (27:15,10/
Ruhpolding), der auf den siebten Platz kam, gratulierte dem
Olympiasieger: „Es war ein Wahnsinnsrennen von Sven," sagte der
35-Jährige. Lob kam auch von Alexander Wolf (27:34,5/Platz 15): „Eine
klasse Leistung für einen so alten Mann", sagte der 27 Jahre alte
Oberhofer augenzwinkernd.
Erst Gold über
20 Kilometer, jetzt Gold im Sprint- die Deutschen geben im Biathlon
den Ton an. „So kann es weitergehen", sagte Ricco Groß. Am Samstag steht
das Verfolgungsrennen über 12,5 Kilometer an, bei dem entsprechend der
Zeitrückstände im Sprint gestartet wird. Fischer darf als Erster ran,
auch Groß und Wolf haben eine glänzende Ausgangsposition. „Jetzt kommt
mein Lieblingsrennen", sagte Groß. Der Konkurrenz schwant schon nichts
Gutes. |
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Mit 34 Jahren auf dem
Gipfel des Glücks: Nach zwei Olympiasiegen mit der Staffel hat Sven
Fischer endlich auch das lang ersehnte Einzel-Gold in der Tasche
Foto:
AP |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 17.02.2006
Kati Wilhelm fehlt ein Zentimeter zum Glück
Biathletinnen
ziehen bei Wetter-Lotterie nur Nieten - Überraschungssiegerin
Baverel-Robert |
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San Sicario
- Die deutschen Biathletinnen hatten am Donnerstag in der durch
Schneefall langsamen Loipe keine Chance gegen die später bei
Sonnenschein laufende Konkurrenz. Favoritin Kati Wilhelm musste sich mit
dem siebten Platz begnügen.
|
VON PETER
STRACKE
UND NIKOLA STOBBE
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Kati Wilhelm
fehlte nur ein knapper Zentimeter zum goldenen Glück. Durch einen
Flüchtigkeitsfehler beim letzten Schuss fiel die Olympiasiegerin von
Salt Lake City 2002 und Top-Favoritin noch auf Rang sieben des
7,5-km-Sprintrennens zurück. Überraschungssiegerin Florence
BaverelRobert (Frankreich) profitierte wie die von ihr knapp bezwungene
Anna Carin Olofsson (Schweden) und Lilia Jefremowa (Ukraine) vom Wetter,
das während des Rennens umgeschlagen war.
Das deutsche
Team zog beim Startnummern-Roulette ausschließlich Nieten. „Wir müssen
uns darüber ärgern, dass wir auf der Strecke keine Chance hatten. Am
Ende kam die Sonne raus, und die Strecke wurde deutlich schneller",
stöhnte Kati Wilhelm, „Fehler beim Schießen passieren immer einmal. Ich
habe beim letzten Schuss zu schnell abgedrückt und ihn nach oben
verrissen." Das war eben jener eine Zentimeter, der Bundestrainer Uwe
Müssiggang in Rage brachte - |
sein Schützling
hatte damit die Chance auf die Goldmedaille in den Wind geschossen. 18,4
Sekunden fehlten am Ende zum Olympiasieg, 11,8 Sekunden zu Bronze. „Die
Kati hatte ihre Chance, sie hätte gewinnen können. Das lag nicht am
Wetter", schimpfte Müssiggang.
Um 12.31 Uhr
hatte in San Sicario die Sonne den Kampf gegen den Schneefall endgültig
gewonnen-damit hatte die zu diesem Zeitpunkt im Ziel versammelte
deutsche Mannschaft das Rennen um die Medaillen
verloren. Weil der Wetterbericht ein Ende der Schneefälle bis 12 Uhr
versprach, hatten sich alle vier deutschen Läuferinnen in die
angestammte erste Startgruppe losen lassen -ein
Fehler. Denn Martina Glagow (Mittenwald/17.), Katrin Apel
(Frankenhain/22.) und Sprint-Weltmeisterin Uschi Disl (Moosham/34.)
landeten im geschlagenen Feld. „Wenn du dich schon auf der Strecke mit
dem Neuschnee quälen musst, geht das Schießen auch nicht besser",
kommentierte Disl ihr verpatztes Rennen. Mit fast zwei Minuten Rückstand
auf Siegerin Baverel-Robert ist die 35-Jährige für das Jagdrennen am
Samstag (12.30 Uhr) chancenlos. Im Gegenteil zu Kati Wilhelm, die nur
18,4 Sekunden zurückliegt. „Da ist noch einiges
drin. Zumal dann alle die gleichen äußeren Bedingungen vorfinden", sagte
Wilhelm. Müssiggang hofft, dass sein Team die Scharte vom Sprint wieder
auswetzen kann. Bei der Siegerehrung schüttelte er den Kopf: „Auf
Baverel und Jefremowa hätte heute wirklich keiner gewettet."
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Kati Wilhelm: Neunmal traf
sie ins Schwarze - mit dem letzten Schuss hat die Top-Favoritin Gold
verspielt
Foto:
AP |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 18.02.2006
Meine
Sportart: Biathlon
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Fritz
Fischer (49) ist Co-Trainer des deutschen Biathlon-Teams. Er hat an
vier Olympischen Spielen teilgenommen und dabei zahlreiche Medaillen
gewonnen. Fischer leitet zudem in Ruhpolding ein Biathlon-Camp.
Welche
Disziplinen gibt es in Turin?
Männer: 10 km,
12,5-km-Jagdrennen, 15km-Massenstart, 20 km, 4x7,5-km-Staffel. Frauen:
7,5 km, 10-km-Jagdrennen, 12,5km-Massenstart, 15 km, 4x6-km-Staffel.
Kleine
Regelkunde:
Der
Einzel-Wettbewerb ist der traditionsreichste. Geschossen wird viermal:
liegend, stehend, liegend, stehend. Der Abstand zu den Scheiben beträgt
50 Meter, der Scheibendurchmesser beträgt 4,5 Zentimeter (liegend) oder
11,2 Zentimeter (stehend). Für einen Fehler am Schießstand muss man
entweder in die Strafrunde, oder man bekommt direkt eine Strafminute
aufgebrummt.
Worauf kommt
es an?
Auf die nötige
Ruhe und Gelassenheit beim Schießen und eine gute läuferische Leistung
in der Loipe mit gutem Material. |
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Sonntag
Aktuell
- Titelseite: 19.02.2006
Kati Wilhelm setzt Serie
fort
Drittes Gold
im Biathlon
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Turin (tag).
Mit großem Vorsprung eroberte Kati Wilhelm Gold im 10-km-Jagdrennen im
Biathlon. Mit 73,6 Sekunden Rückstand gewann Martina Glagow erneut
Silber. Die gleiche Medaille holte Evi-Sachenbacher-Stehle mit der
deutschen Langlauf-Staffel. Durch Bronze im Jagdrennen schraubte
Biathlet Sven Fischer nach seinem 10-km-Sieg die deutsche Bilanz nach
acht Tagen auf je sechsmal Gold und Silber sowie dreimal Bronze. Für
Kati Wilhelm war es das dritte Olympia-Gold der Karriere, für Martina
Glagow das zweite Silber in Italien. Die sechste Medaille für
Deutschlands Biathleten gewann Fischer trotz seiner vier Fahrkarten am
Schießstand hinter Vincent Defrasne, der den sechsten Olympiasieg des
Norwegers Ole Einar Björndalen verhinderte.
Thomas Morgenstern hat sich den Olympiasieg der
Skispringer von der Großschanze gesichert. Der Österreicher setzte sich
vor seinem Landsmann Andreas Kofler durch. Bester Deutscher war Michael
Neumayer auf Platz elf. Michael Uhrmann wurde 16. Alexander Herr wurde
nach seinen kritischen Äußerungen über Bundestrainer Peter Rohwein von
der Mannschaft ausgeschlossen. Seite 9 bis
13 |
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20 Schuss, 19 Treffer -
Gold. Die Biathletin Kati Wilhelm aus Zella-Mehlis behält bei den
Olympischen Spielen im Schneetreiben Durchblick
und gewinnt das Zehn-Kilometer-Jagdrennen vor Martina Glagow
(Minenwald).
Bild:
dpa |
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Sonntag
Aktuell
- Turin 2006: 19.02.2006
Fast jeder
Schuss ein Treffer
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Zwei Rennen, zwei Geschichten.
Während Kati Wilhelm souverän zu Gold in der Verfolgung lief und Martina
Glagow Silber holte, musste sich Sven Fischer bei den Männern um Bronze
mühen. Die finale Erkenntnis: Frauen schießen besser.
Kati Wilhelm
setzte nach dem vierten Schießen in der Verfolgung ihr breitestes
Lächeln auf. Ohne Fehler hatte sie diese Prüfung absolviert, vor ihr
lagen nur noch zwei Kilometer. 2000 Meter zu ihrer dritten Goldmedaille,
nach den Olympiasiegen im Einzelrennen und der Staffel bei den Spielen
in Salt Lake City. Obwohl weit vor den Konkurrentinnen, war sie auf
ihrer letzten Runde nicht allein. „Alle Betreuer haben gejubelt und mir
zugerufen: Genieß es", sagte die 29-jährige Thüringerin im Ziel, „und
das habe ich auch getan." Und zum ersten Mal strahlte an diesem Tag, der
mit heftigem Schneefall begonnen hatte, auch die Sonne.
Kurz vor dem
Ziel erfuhr der Genuss noch eine Steigerung. Eine schwarz-rot-goldene
Fahne hatte sie sich bereits gegriffen, da lief ihr Martina Glagow auf
der Spur daneben entgegen. Damit war klar, dass die deutschen
Biathletinnen Gold und Silber in der Verfolgung sicher hatten. Im Ziel
drehte sich Wilhelm um und wartete auf ihre kleine Mannschaftskollegin.
„Das macht meinen Erfolg nur noch schöner", sagte sie.
Ganz anders als
das einsame Rennen der Kati Wilhelm verlief die Verfolgung für Sven
Fischer im Rennen der Männer. Zwar konnte der Skijäger aus Schmalkalden
den deutschen Medaillensatz gestern mit Bronze komplettierten, aber nach
den ersten beiden Schießeinlagen sah es gar nicht danach aus. Jeweils
zweimal hatte der Sprint-Olympiasieger nicht ins Schwarze getroffen.
Nach dem fehlerfreien vierten Schießen hatte er nur noch ein Ziel:
„Jetzt knall ich an Halvard Hanevold vorbei." Dies ging dann leichter
als gedacht, der Norweger leistete kaum Gegenwehr. Fischers Fazit: „Ich
habe eine erkämpfte Medaille, die eigentlich schon weg war." Gold ging,
unter dem frenetischen Jubel seiner Landsleute, an den Franzosen Vincent
Defrasne. Vor Ole Elnar Björndalen (Norwegen).
Dabei hatte der vierfache Olympiasieger von 2002 Defrasne auf der
Strecke bereits überholt. Doch im Schlussspurt schob sich der 28-Jährige
zu seinem ersten Einzelsieg bei einer Meisterschaft wieder vorbei.
Als Siebte war
Kati Wilhelm ins Rennen gegangen, als Dritte war sie zur ersten
Schießeinlage gekommen, als Erste konnte sie weglaufen. „Das
Schießen war heute bei Kati überragend", urteilte Bundestrainer Uwe
Müßiggang. An den Sieg allerdings glaubte die Trainingspartnerin von
Uschi Disl erst, als sie nur noch einen Schuss
abzugeben hatte. Denn eigentlich hatte sie sich die größeren Chancen im
Sprintwettkampf vor ein paar Tagen ausgerechnet, doch da hatte sie nicht
die besten Bedingungen. „Deshalb bin ich jetzt umso glücklicher, dass
ich den Verfolger gewonnen habe." Trotz Wilhelms
Sieg, die Frau des Rennens war Martina Glagow. Die 1,58 Meter große
Mittenwalderin wuchs über sich hinaus. Als 17. gestartet, ackerte sich
die 26-Jährige durchs Feld. Beim vierten Besuch an der Schießanlage war
sie bereits Dritte. Über die null Fehler hat sie sich gefreut, „und dann
habe ich mich umgeschaut, ob noch jemand kommt".
Doch von hinten
kam niemand, dafür hatte sie die Russin Aalbina Akhatowa vor sich. Die
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behauptete
zwar, sie habe einen schnellen Ski gehabt, doch seit dem Sprint,
bei dem sie nach dem positiven Dopingbefund ihrer Mannschaftskollegin
Olga Pylewa Bronze bekommen hatte, habe sie unter Leberschmerzen
gelitten. Und das beeinträchtigte ihre Leistungsfähigkeit. „Am letzten
Anstieg habe ich gesehen, wie die Albina müde wurde", erzählt Glagow, "
so konnte ich sie überholen."
Bei den Männern
holte sich zwar Sven Fischer eine Medaille, der überragende Athlet war
jedoch Einzel-Olympiasieger Michael Greis. Der Nesselwanger kam als
Achter ins Ziel, nachdem er erst als 35. gestartet war. „Es war ein
nahezu perfektes Rennen", sagt er. Nur ein Fehler beim Schießen
verhinderte die hundertprozentige Perfektion. Sein Fazit: „Aus meiner
Situation habe ich das beste gemacht, was heute drin war."
So beschrieb
aber auch Sven Fischer sein Rennen. Und vor allem die Situation nach
seiner ersten Schießeinlage. Als Mist bezeichnete er sie sogar. Zweimal
hatte er nicht getroffen, ein dritter Schuss ging nur knapp ins Ziel.
„Das war meine Erfahrung, sonst hätte ich drei Fehler gemacht." Wohl
dem, der diese dann richtig einsetzen kann.
Zufrieden
zeigte sich auch DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. „Sechs Medaillen zur
Halbzeit, davon drei goldene, das ist ein Superergebnis", jubelte der
Funktionär im Ziel.
Klaus-Eckhard
Jost

Kati Wilhelm kann die
letzten Meter vor dem Ziel genießen, während Sven Fischer bis zum
Schluss um seine Bronzemedaille kämpfen muss.

Bilder:
dpa |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 20.02.2006
Biathletin Kati Wilhelm:
Eine Frau sieht Rot
Die
Olympiasiegerin ist nicht nur auf Grund ihrer Haarfarbe unverwechselbar |
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Aus
gegebenem Anlass ist es an der Zeit, eine Warnung auszusprechen: Sollten
Sie ein lichtempfindlicher Mensch sein, dann meiden Sie unbedingt die
Homepage der Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm. Es könnte sonst zu
Langzeitschäden kommen.
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VON CARSTEN MEYER
zurzeit Turin
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Nichts ahnenden
Menschen passiert nämlich Folgendes: Sie geben die Adresse (www.kati-wilhelm.de)
ein, denken an nichts Böses- und bekommen einen
Schock. Sehr viel greller als bei der Hintergrundfarbe der Seite können
Rottöne nicht sein. Kati Wilhelm gibt zu: „Manch einer muss sich da die
Sonnenbrille aufsetzen."
Das trifft
übrigens auch auf ihre Haare zu, die längst zum Markenzeichen geworden
sind. Die Farbmischungen, heißt es, kennen nur sie und ihr Friseur.
Wahrscheinlich ist er ein verkappter Chemiker. „Rot ist halt meine
Farbe", sagt Kati Wilhelm.
Gold steht ihr
allerdings auch nicht so schlecht. Das lässt sich mittlerweile kompetent
beurteilen. Am Samstag wurde sie im Jagdrennen
Olympiasiegerin - nach den Erfolgen 2002 im Sprint und mit der Staffel
zum dritten Mal. Es gibt keine Biathletin, die das bisher geschafft
hätte. „Das macht mich stolz", sagt Kati Wilhelm.
Und im Hause
ihrer Schwester Melanie sorgt es endlich für
Ruhe. Dort saß Kati Wilhelms kleiner Neffe zuletzt vor dem Fernseher und
sah Erschütterndes. Übertragen wurde die Medaillenzeremonie mit den
deutschen Eisschnellläuferinnen, die Gold geholt hatten. Der kleine Max
brach spontan in Tränen aus und schluchzte: „Wann gewinnt denn Tante
Kati endlich wieder?" Das wäre nun geschafft, und auch in den nächsten
Tagen steht es nicht schlecht um den familiären Frieden. Am Donnerstag
findet die Staffel statt, am Samstag der Massenstart. In beiden
Wettbewerben hat Kati Wilhelm eine Chance.
Und mit jedem
Erfolg steigt ihr Marktwert. Alex |
Achten von der
Deutschen Sportmarketing GmbH hat schon vor Jahren prophezeit: „Kati
Wilhelm könnte eine eigene Marke werden." Weil sie alles mitbringt, was
man dafür benötigt: Erfolg, Charisma und eine chronisch gute Laune. Kati
Wilhelm ist eine der wenigen Sportlerinnen, bei denen man das Ergebnis
eines Wettbewerbs nicht im Gesicht ablesen kann. Die 29-Jährige lacht
auch noch, wenn sie beim Rennen mehr Bekannte als Scheiben trifft.
Kati Wilhelm
kommt an - bei allen. Sie spricht auf einem Management-Seminar über
Motivation aus sportlicher Sicht macht aber auch bei Foto- und
Werbeaufnahmen eine gute Figur. Das ist natürlich auch den offenherzigen
Medien dieses Landes nicht verborgen geblieben. Kati Wilhelm bekam schon
mehrere Anfragen, ob sie sich Nacktfotos vorstellen könne. Kann sie
nicht. Sie sagt: „Ich möchte nicht, dass mein Name auf solche Aufnahmen
reduziert wird - ich bin lieber die Kati mit den
roten Haaren, die bei Olympia Gold geholt hat." Damit kommt sie ganz gut
über die Runden. Sie hat Sponsoren und zur Not
auch einige Fans, denen der Gaul durchgeht. Zum Beispiel dem
Pferdezüchter Thomas Mayer. Der schenkte Kati
Wilhelm für ihren Olympiasieg in Turin einen arabischen Vollblüter. Nun
ist die 29-Jährige etwas ratlos: „Ich habe keine Ahnung, was ich mit dem
Pferd machen soll." Vielleicht könnte sie es ja
ihrem kleinen Neffen zur Ablenkung schenken. Tante Kati kann schließlich
nicht jeden Tag gewinnen.

Kati Wilhelm: Drittes
Olympia-Gold
Foto:
ddp |
|
Gäubote
- Olympiamagazin: 20.02.2006
NOK zieht Halbzeitbilanz: „Absolut überzeugend"
Im
Medaillenspiegel Platz eins vor den USA |
|
Turin -
Nach einem goldenen Start und einer medaillenreichen ersten Woche
kämpfen die deutschen Winter-Olympioniken wieder um Platz eins in der
Nationenwertung. „Die erste Halbzeit dieser Spiele war absolut
überzeugend", sagte Ulrich- Feldhoff, der Vorsitzende des
Bundesausschusses Leistungssport im Deutschen Sportbund (DSB), am
Sonntag in Turin.
„Das
Zwischenergebnis liegt voll im Plan. Wenn es optimal läuft, können wir
Platz zwei erreichen. Und wenn es noch besser läuft und die anderen sich
vielleicht noch Ausrutscher leisten, können wir noch besser
abschneiden", ergänzte der oberste Leistungswächter des deutschen
Spitzensports.
Vor allem die
Skijäger sorgten dafür, dass die Deutschen ein erfolgreiches Bergfest
feiern konnten. Die Biathleten holten bisher dreimal Gold, zweimal
Silber und einmal Bronze. Am Sonntagnachmittag
nach 49 der 84 Entscheidungen lag die deutsche Olympia-Mannschaft auf
dem ersten Platz vor den USA und Russland. „Unsere Athleten haben das
Zeug zu einem Spitzenplatz", betonte auch Klaus Steinbach, der Präsident
des Nationalen Olympischen Komitees
(NOK), und lobte die „hervorragende professionelle Einstellung".
Das Team sei „hervorragend aufgestellt", allerdings konnten nicht alle
Erwartungen erfüllt werden. Im Kampf um den Platz an der Sonne erwartet
Steinbach einen Dreikampf zwischen Russland, Deutschland und den USA.
Auch vor vier Jahren lagen die Deutschen nach der Hälfte auf Platz zwei
in Lauerstellung - damals allerdings hinter den Norwegern. Die weiteren
Goldmedaillen steuerten die Eisschnelllauf-Damen in der Teamverfolgung,
Rodlerin Sylke Otto und Georg Hettich mit seinem Auftaktsieg in der
nordischen Kombination bei. |
Feldhoff war am
Sonntag zwar gesundheitlich angeschlagen, beim Vortrag zur Lage der
Sport-Nation hellte sich seine Miene aber auf. „Vielleicht können wir ja
eine zielgenaue Trefferquote erreichen, was die Prognose betrifft",
sagte er schmunzelnd. 24 Medaillen hatte der Funktionär vorausgesagt, 16
sind es schon. Wie Steinbach hat auch Feldhoff Höhen und Tiefen gesehen,
positive und negative Überraschungen ausgemacht.
Höchstes Lob ernteten die
Biathleten,
kritischer sah er
aber zum Beispiel die Eiskunstläufer. „Die hier erzielten Ergebnisse
sind absolut nicht zu akzeptieren", redete der Leistungssport-Chef
Klartext.
Medaillenspiegel
(Stand nach 49 von 84 Entscheidungen)
|
1. |
Deutschland |
7 |
7 |
4 |
|
2. |
USA |
7 |
4 |
2 |
|
3. |
Russland |
6 |
2 |
5 |
|
4. |
Österreich |
4 |
5 |
1 |
|
5. |
Südkorea |
3 |
3 |
1 |
|
6. |
Italien |
3 |
|
4 |
|
7. |
Frankreich |
3 |
|
2 |
|
8. |
Estland |
3 |
|
|
|
9. |
Norwegen |
2 |
7 |
7 |
|
10. |
Kanada |
2 |
6 |
5 |
|
11. |
Schweiz |
2 |
2 |
4 |
|
12. |
Niederlande |
2 |
2 |
2 |
|
13. |
Schweden |
2 |
1 |
3 |
|
14. |
China |
1 |
2 |
4 |
|
15. |
Kroatien |
1 |
1 |
|
|
16. |
Australien |
1 |
|
|
|
17. |
Finnland |
|
2 |
3 |
|
18. |
Tschechien |
|
2 |
|
|
19. |
Bulgarien |
|
1 |
|
|
Großbritannien |
|
1 |
|
|
Slowakei |
|
1 |
|
|
22. |
Lettland |
|
|
1 |
|
Ukraine |
|
|
1 |
|
|
Gäubote
- Olympiamagazin: 21.02.2006
Biathlon-Ouartett peilt Gold an
Deutsche
Männer-Staffel geht als Favorit in das Rennen über 4 x 7,5 km |
|
San Sicario
- Die Olympiasieger Sven Fischer und Michael Greis im Team, drei von
vier Saisonrennen gewonnen: Die deutschen Biathleten treten am heutigen
Dienstag (12 Uhr/ARD) als Topfavorit zur olympischen 4 x 7,5-km-Staffel
in San Sicario an.
Zum fünften Mal seit 1992 mit dem Ruhpoldinger Ricco Groß als
Startläufer und zum ersten Mal mit Shooting Star Michael Rösch. „Wir
haben in den drei Rennen hier bislang immer eine Medaille erkämpft.
Diese Serie wollen wir natürlich auch in der Staffel nicht abreißen
lassen", gibt Frank Ullrich die Marschrichtung vor.
Der
Bundestrainer erwartet auf der knapp 1700 Meter hoch gelegenen
Olympiastrecke eine Attacke der überraschend noch sieglosen Norweger um
Ole Einar Björndalen. Die hatten das Rennen 2002 vor Deutschland
gewonnen und damit die seit 1992 anhaltende olympische Siegesserie des
deutschen Quartetts beendet.
Medaillen-Garant
im Team ist Ricco Groß, seit dem ersten deutschen Staffelsieg der
olympischen Biathlongeschichte 1992 der Startläufer des DSV-Quartetts.
Der dreimalige Staffel-Olympiasieger aus Ruhpolding blieb in San Sicario
trotz beständiger Leistungen (Rang elf, sieben und zwölf) ohne die
ersehnte achte olympische Medaille und muss nun
seine letzte Chance nutzen. Für den abschließenden Massenstart (Samstag,
12 Uhr) ist der Altmeister als fünftbester Deutscher der Rangliste nicht
qualifiziert und kann nur starten, wenn jemand ausfällt. „In der Staffel
zählen wir immer zu den Favoriten. Den Druck sind wir gewohnt und können
ihn aushalten. Klar wollen wir ganz vorne angreifen, und ich will nicht
ohne Medaille nach Hause fahren", sagte Groß. Wahrscheinlich bestreitet
der 35-Jährige sein letztes olympisches Rennen- „aber man soll ja nie
nie sagen". |
Nach Groß wird
erstmals in einer Olympiastaffel Michael Rösch eingesetzt. Der 22 Jahre
alte Altenberger war nach dem enttäuschenden 35. Platz über 20 km vom
Coach zwischenzeitlich aus dem Team genommen worden. „Für die Staffel
brauche ich einen frischen Mann. Michael hat gut trainiert. Er wird das
lösen", meinte Ullrich, der dem Youngster den Vorzug gegenüber Alexander
Wolf gab. Sven Fischer und Michael Greis sollen dann die Schlussakzente
setzen. 20-km-Olympiasieger Greis, der 2004 bei der WM in Oberhof auf
der Ziellinie über die von ihm geschwenkte deutsche Fahne gestolpert war
(ohne dass der Staffelsieg dadurch in Gefahr geriet), hat sich auf seine
Rolle bereits eingestimmt: „Das Fahnetragen habe ich mittlerweile im
Griff, das würde ich gerne bei Olympia beweisen. Ich habe es ja
mittlerweile oft genug geübt."

Zuversichtlich: Michael
Greis
Foto:
dpa |
|
Gäubote
- Titelseite: 22.02.2006
Zweimal Gold,
einmal Bronze
Erfolgstag für deutsche Athleten
|
|
Turin (StN)
- Die
Deutschen haben am Dienstag ihre Erfolgsbilanz in Turin weiter
aufgebessert. Die Biathlon-Staffel der Herren gewann am Dienstag
Gold. Im
Zweierbob siegte das Duo Sandra Kiriasis und Anja Schneiderheinze. Der
nordische Kombinierer Georg Hettich lief zu Bronze.
Für das
Biathlon-Team stehen nun viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze
zu Buche. Ricco Groß, Michael Rösch, Sven Fischer und Michael Greis
hatten den Sieg perfekt gemacht.
Wenig später gewann Hettich nach Gold über 15 Kilometer und Silber mit
der Staffel Bronze im Sprint. Am Abend sicherte sich Bob Deutschland I
mit Sandra Kiriasis und Anschieberin Anja Schneiderheinze den
Olympiasieg.
Der Doping-Skandal um zwei österreichische
Biathleten weitete sich derweil aus. Gestern wurde mitgeteilt, dass die
aus Turin geflüchteten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann
wahrscheinlich Verbotenes getan hätten. Was genau, stand allerdings noch
nicht fest. |
|

Die deutsche Goldstaffel
jubelt: Ricco Groß, Michael Rösch, Sven Fischer und Michael Greis (v. li.)
Foto:
AP |
|
Gäubote
- Olympiamagazin: 22.02.2006
Rösch krönt
die deutschen Biathlon-Festspiele
Imposante
Bilanz nach Triumph im Staffelrennen: Viermal Gold, zweimal Silber,
einmal Bronze |
|
Turin - Die deutschen Biathleten
sind bei den Olympischen Spielen nicht zu stoppen. Ricco Groß, Michael
Rösch, Sven Fischer und Michael Greis gewannen das Staffelrennen vor
Russland und Frankreich.
|
Carsten
Meyer |
Unser Redaktionsmitglied berichtet aus Turin |
|
Es war eine
gemütliche Runde, die sich neben dem Pressezentrum des Biathlonstadions
versammelt hatte. Ricco Groß, Michael Rösch, Sven Fischer und Michael
Greis hatten sich vor dem Bauzaun eingefunden, um den deutschen
Beobachtern ausführlich Bericht von dem Geschehen zu erstatten. Die
ungewöhnliche Örtlichkeit ist mittlerweile Standard - die Organisatoren
erlauben die Nutzung des Presseraums außerhalb der offiziellen Anlässe
nicht.
Doch das konnte
die prächtige Stimmung im deutschen Team nicht im Geringsten trüben. Die
Staffel hatte mit 20,9 Sekunden Vorsprung auf Russland gewonnen und
damit den Medaillenreigen nahtlos fortgesetzt.
Viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze stehen bisher zu Buche.
Die Biathlon-Wettbewerbe von San Sicario werden als deutsche Festspiele
in die Geschichte eingehen.
Für
Bundestrainer Frank Ullrich war das am gestrigen Tag alles ein wenig zu
viel. Der 48-Jährige war kaum zu beruhigen, redete wie ein Wasserfall
und stand kurz davor zu hyperventilieren. Es fielen Begriffe wie
„bravourös" und „Faszination pur". Man musste sich Sorgen um ihn machen.
„Natürlich bin ich um Jahre gealtert", gestand Coach Frank Ullrich,
„aber für diesen Sport gebe ich alles." Dabei wäre die Aufregung gar
nicht nötig gewesen. Richtig in |
Gefahr war der Sieg eigentlich
nie. Zu verdanken hatten die Deutschen das vor allem Michael Rösch, der
als zweiter Läufer ins Rennen ging. Der 22-Jährige zeigte eine grandiose
Leistung - er schoss schnell und fehlerlos. „Ich war ganz gut drauf",
erläuterte Rösch, „da habe ich mir gedacht: Jetzt haust du die Dinger
nur so raus." Lucky Luke wäre vor Neid erblasst.
Auch von Seiten
der Kollegenschaft schlug Rösch uneingeschränkte Bewunderung entgegen.
„Ich habe ja gewusst, dass der, Junge schnell und frech ist", sagte
Ricco Groß, „aber dass er so schnell und frech sein würde, hatte ich
nicht gedacht." Sein Fazit: „Der Micha ist ein echter Hundling."
Das war wohl
als ein großes Kompliment zu verstehen.
Groß hatte sich
sein Lob schon zuvor in der offiziellen Pressekonferenz abgeholt, als
plötzlich Alexander Tichonow auftauchte. Tichonow ist Chef des
russischen Verbandes und Vizepräsident des Weltverbandes IBU. Er
überreichte dem sichtlich verblüfften Groß eine goldene Ehrennadel mit
vier Brillanten. Der Grund: Ricco Groß hat mit dem gestrigen Erfolg
ebenso wie Tichonow viermal olympisches Staffel-Gold gewonnen. „Ich
wusste, dass dieser Moment kommen würde", sagte der Russe, „deshalb habe
ich die Nadel schon im vergangenen Jahr anfertigen lassen."
Die
Teamkollegen von Groß mussten sich noch bis zum Abend begnügen, ehe
ihnen bei der Medaillenzeremonie ein Schmuckstück überreicht wurde. Was
danach geschah, ist nicht genau übermittelt, lässt sich aber zumindest
erahnen. Ullrich hatte direkt nach dem Rennen angekündigt: „Jetzt wird
gefeiert bis zum Abwinken." Wahrscheinlich ging es ziemlich lustig zu.
Die deutschen Biathleten sind schließlich in Topform. |
|

Gewohntes Bild im
Biathlon-Stadion von San Sicario: Schlussläufer Michael Greis feiert den
Olympiasieg mit der deutschen Staffel
Foto:
AP |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 24.02.2006
Biathlon-Staffel feiert Silber wie einen Sieg
Russisches
Team triumphiert - und sorgt anschließend für Kopfschütteln -
Irritationen um Disl |
|
Turin - Die
deutschen Biathletinnen haben im Staffelrennen Silber gewonnen. Martina
Glagow, Andrea Henkel, Katrin Apel und Kati Wilhelm mussten sich nur
Russland geschlagen geben. Bronze ging an Frankreich.
|
Carsten
Meyer |
Unser Redaktionsmitglied berichtet aus Turin |
|
Die deutschen
Biathletinnen nachten es sich richtig kuschelig in der Pressekonferenz.
Die vier Silbermedaillen-Gewinnerinnen sollten auf dem Podium Platz
nehmen, was sich als hoffnungsloses Unterfangen herausstellte. Denn dort
saßen schon vier Russinnen, vier Französinnen und drei Dolmetscher. Also
rückten die Deutschen ganz eng zusammen, Martina Glagow setzte sich
Katrin Apel auf den Schoß. Sie kicherten und waren bester Laune. Ein
Zustand, in dem sie sich schon eine ganze Weile befanden. Noch als die
Schluss-Läuferinnen auf der Strecke waren, standen Apel, Glagow und
Henkel im Zielbereich und versuchten sich als Animateurinnen. Als die
führende Russin Albina Achatowa vor ihren letzten Metern um die Kurve
gesaust kam, inszenierten die drei Deutschen eine La Ola. „Die Russinnen
haben es verdient", sagte Glagow, „sie waren heute die bessere
Mannschaft."
Diese
bärenstarke Leistung bekam jedoch wenig später einen schalen
Beigeschmack - als die Sieger ihre Medaille ihrer wegen Dopings
suspendierten Teamkollegin Olga Pylewa widmeten. „Wir sind bei ihr",
sagte die von der Unschuld Pylewas überzeugte Swetlana Ischmuratowa.
Der Rückstand
der Deutschen betrug am Ende satte 50,7 Sekunden. Ein Abstand, der so
groß war, dass sie sich schenken konnten, nach einzelnen Gründen zu
suchen. Es gab nur einen: Die Russinnen hatten einen Glanztag erwischt.
Wahrscheinlich war deshalb die Stimmung im deutschen Lager so gelöst.
„Eigentlich wollten wir um Gold mitlaufen",
|
sagte
Bundestrainer Uwe Müssiggang. Doch das war an diesem Tag fast unmöglich.
Die Russinnen trafen 38 von 40 Schüssen, die Deutschen mussten achtmal
nachladen. Katrin Apel absolvierte sogar eine Strafrunde. „Das ist ein
normales Ergebnis", sagte Wilhelm, „aber wenn du bei Olympia gewinnen
willst, musst du ein bisschen besser sein." Alle Deutschen hätten am
gestrigen Tag also sein müssen wie Wilhelm. Die 29-Jährige präsentierte
sich wie schon bei ihrem Sieg in der Verfolgung in überragender Form und
lief die schnellste Runde aller Starterinnen. „Ich fühle mich hier
einfach wohl", sagte sie, „das gibt Selbstvertrauen für den
Massenstart." Der findet am morgigen Samstag (10 Uhr, ARD) statt.
Für eine im
Team ist es die letzte Chance, nicht ohne Medaille heimzukehren. Die
Rede ist von Uschi Disl, der erfolgreichsten deutschen Biathletin aller
Zeiten. Ausgerechnet auf der Zielgeraden ihrer Karriere droht die
35-Jährige leer auszugehen. Müssiggang hatte in der Staffel Katrin Apel
den Vorzug gegeben. „Es war bestimmt nicht leicht für Uschi, nur
zuzusehen", ahnte Wilhelm. Das wollte Disl so nicht bestätigen.
„Natürlich war es schade", sagte sie, „aber es ist kein Grund sich
hängen zu lassen." Zumal sie laut eigener Aussage genügend Zeit hatte,
sich darauf vorzubereiten. „Ich habe schon vor zwei Monaten von einem
Betreuer erfahren, dass ich nicht aufgestellt werde." Daraufhin habe sie
Müssiggang aufgesucht und um Aufklärung gebeten. Der Bundestrainer habe
geantwortet: „Dann hat Dir ja schon jemand die Augen geöffnet."
Müssiggang hat
den Sachverhalt etwas anders in Erinnerung. „Ich habe mich erst nach dem
letzten Training hier vor Ort entschieden." Wie auch immer die Wahrheit
lautet: Fakt ist, dass dieser Vorfall für Irritation sorgte. Aber
immerhin wartete Wilhelm mit einer vernünftigen Idee zu diesem Thema:
„Am besten gewinnt die Uschi beim Massenstart eine Medaille, dann
sind alle im Team zufrieden."
Nicht die
schlechteste Lösung. |
|
Sonntag
Aktuell
- Turin 2006: 26.02.2006
Die deutschen Biathleten
polieren die Bilanz weiter auf: Silber für Kati Wilhelm, Bronze für
Uschi Disl in ihrem letzten olympischen Rennen
Drittes Gold:
Greis ist der König von Turin
|
|
Der eine war
der König von Salt Lake City: Ole-Einar
Björndalen. Der andere ist der König von Turin: Michael Greis holte
gestern seine dritte olympische Goldmedaille. Das Lob von Björndalen:
„Der Michi ist unglaublich."
Bei der Pressekonferenz zeigte
sich der Perfektionist. Auf die Frage der Dolmetscherin, ob er sein
Statement auf Deutsch oder Englisch geben wolle, sagte Michael Greis:
„Es ist besser, wenn es übersetzt wird, nicht, dass ich mich blamiere."
Als das geklärt war, legte Michael Greis aus Nesselwang in seinem
Allgäuer Slang los, er, der wenige Minuten zuvor im Massenstart seine
dritte Goldmedaille gewonnen hatte. Mit diesem Dreierpack ist er der
erfolgreichste Athlet der Olympischen Spiele.
Sein neuer
Titel: König von Turin.
Der König von Salt Lake City, den Spielen vor vier Jahren, ging gestern
besonders motiviert ins Rennen. Bis zum vierten Schießen dominierte
Ole-Einar Björndalen, doch dann unterliefen dem Norweger zwei Fehler und
er musste zweimal in die Strafrunde. Statt Gold blieb dem viermaligen
Olympiasieger Bronze. „Beim letzten Schießen habe ich eine große Chance
vergeben", gab der Norweger zu, deshalb sei er auch von sich enttäuscht.
„Es ist tragisch, dass Ole ohne Gold heimgeht", zeigte Greis Mitleid. In
Norwegen zählt nur dieses Edelmetall.
Einträchtig
saßen sie gestern nebeneinander, die beiden Könige.: Und Björndalen fand
nur lobende Worte über seinen Nachfolger Greis. „Der Michi ist
unglaublich. Er schießt gut, wenn er gut schießen muss. Und er läuft
auch besser als die letzten Jahre." Dem schloss sich Bundestrainer Frank
Ullrich an: „Michi ist der Athlet, der in den vergangenen Jahren am
akribischsten daran gearbeitet hat, in die Weltklasse zu kommen." Dazu
gehöre nicht nur sein Ehrgeiz, sondern auch seine Liebe zum Detail, mit
der er an seinem Material und seiner Waffe arbeite. Und seit er vor
einem Jahr sein einziges Weltcuprennen ausgerechnet in San Sicario
gewonnen hat, sei er richtiggehend auf die Olympischen Spiele fokussiert
gewesen. Sagt sein Heimtrainer Fritz Fischer.
Ihren Fokus auf
ein besonderes Ziel hatte bei den Frauen Uschi Disl gerichtet. Bei ihrem
letzten Olympiarennen wollte die 35-jährige Kämpferin aus Ruhpolding
unbedingt noch einmal eine Medaille gewinnen. Doch danach sah es lange
Zeit nicht aus. Der Grund war ihre alte Schwäche, das Schießen. Dreimal
verfehlte sie die kleinen schwarzen Scheiben. Doch durch die
beste Laufleistung reichte es doch noch zu
Bronze. „Die Farbe ist |
mir egal,
wichtig ist nur die Medaille", sagte Disl breit grinsend.
„Jetzt habe ich
von allen Spielen eine Medaille heimgebracht." Wobei sie diese Medaille
ihrer Mannschaftskollegin Martina Glagow verdankte. Die Mittenwalderin,
mit zweimal Silber mehr als zufrieden, konnte dem Schlussspurt Disls
nichts entgegensetzen. Ganz im Gegenteil. „Martina ist beim letzten
Anstieg zur Seite gegangen und hat mir zugerufen: Komm, hol dir Bronze",
erzählte Disl. Und sie tat, wie ihr befohlen.
Mehr war an
diesem Tag für sie nicht drin. Dazu waren Anna Carin Olofsson und
fernt war. „Anna Carin war einfach ein wenig schneller", sagte
Wilhelm, die sich auch über Silber freute, als wäre es Gold.
Mehr als
zufrieden war Thomas Pfüller, der Generalsekretär des Deutschen
Skiverbands (DSV). Vor allem mit der Abteilung Biathlon. Die war mit
fünfmal Gold, vier Silbermedaillen und zwei Bronzenen so erfolgreich wie
nie. „Das ist ein überragendes Ergebnis", sagte Pfüller, „wer hätte
gedacht, dass wir das Traumergebnis von Salt Lake noch toppen könnten."
Im Moment des großen Erfolgs jedoch hob er schon mal warnend den Finger:
„Irgendwann ist mal Schluss. 2010 kann man dies nicht wieder
erwarten." Das Hier und Jetzt beurteilte Thomas Bach. „Das ist
eine glänzende Bilanz, und das bei diesen hohen Erwartungen. Das spricht
für die hervorragende Vorbereitung", sagte der Vizepräsident des
Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der sich fast alle
Biathlon-Entscheidungen mit seinem goldenen Mantel angesehen hat. Und
damit zu einem Glücksbringer geworden ist.
DSV-Präsident
Alfons Hörmann möchte den Rückenwind politisch nutzen. Gestern erneuerte
er die Idee, sich mit München um die Olympischen Winterspiele 2018 zu
bewerben. Und er hatte schon einen detaillierten Fahrplan an
vorbereitenden Veranstaltungen parat: Skiflug-WM in Oberstdorf 2008,
alpine WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, nordische Titelkämpfe 2015 -
und dann als logische Krönung Olympia.
Diese Spiele
werden Michael Greis und Ole-Einar Björdalen nicht mehr als Athleten
erleben. Von König zu König allerdings sagte der Norweger seinem
Nachfolger: „Mein Leben hat sich nach 2002 geändert. Das Wichtigste für
Michi ist, dass er so bleibt, wie er ist, denn die Realität kehrt ganz
schnell zurück."
Ein paar Tage
Ausnahmezustand dürfen es schon noch sein.
Klaus-Eckhard
Jost |
|

Da legst di nieder: Kati
Wilhelm (I.) freut sich über Silber im 10-Kilometer-Massenstart hinter
der Schwedin Anna Carin Olofsson (r.).
Bild: Witters |
|
Sonntag
Aktuell
- Turin 2006: 26.02.2006
„Der absolut
schönste Tag in meinem Leben"
|
|
Er ist der
erfolgreichste Sportler der Olympischen Spiele von Turin: Drei
Goldmedaillen hat Michael Greis aus Nesselwang gewonnen. Im Gespräch mit
Sonntag Aktuell sagt der 29-Jährige: „Ich habe einfach
Glück gehabt."
Herr Greis,
muss ich Sie zwicken, damit Sie realisieren, was passiert ist?
Ich bin ganz
bei mir. Deshalb ist es so gut gegangen.
Sind Sie mit
drei Goldmedaillen der König von Turin.
König? Ich habe
einfach Glück gehabt.
Glück allein
war es wohl nicht.
Bei mir ist
alles aufgegangen, was aufgehen hätte sollen können müssen.
Und das bei
drei Wettkämpfen.
Was soll ich
sagen? Nach dem ersten Wettkampf vor zwei Wochen war ich schon
überglücklich, dann hat's mit der Staffel geklappt. Und beim Massenstart
wollte ich mich einfach gut präsentieren. Dass es ganz nach vorne
reicht, hätte ich nie gedacht.
Wie ist Ihre
Gefühlslage?
Das ist der
absolut schönste Tag in meinem Leben. Es war ein perfektes Rennen, es
war ein Traum. Ich habe Traumspiele erlebt. Das ist der größte Moment
für mich, den ich erlebe.
Haben Sie
eine Erklärung für Ihre Leistungsexplosion?
Eigentlich war
ich schon die ganze Saison immer auf Tuchfühlung. Was mir gefehlt hat,
war ein optimaler Wettkampf.
Und den
hatten Sie gleich zum Auftakt beim Klassiker über 20 Kilometer?
Im Laufen war
ich immer gut, aber im Schießen habe ich nie eine Null geschossen. Da
muss man schauen, dass einem die anderen einmal ein bisschen helfen,
indem sie nicht optimal treffen. Und hier haben sie mir geholfen. |
Ihre
Popularität wirdsicher ansteigen. Haben Sie eigentlich einen Manager?
Oder hat schon einer angerufen, um sich zu bewerben?
Nein, ich habe
mich ausschließlich aufs Sportliche konzentriert. Jetzt freue ich mich,
dass ich abfeiern kann. Und vor allem, dass ich heimkomme, zu meiner
Familie. Das ist wichtiger als das ganze Drumherum. Das andere kommt
alles zu seiner Zeit.
Haben Sie
Mitleid mit Ole-Einar Björndalen, dem König von Salt Lake City?
Es ist tragisch
für Ole, dass er ohne Gold heimfahren muss. Dabei hat er starke Rennen
geliefert. Er hatte im Verfolger die beste Zeit, genauso wie in der
Staffel.
Nun sind Sie
der Gejagte. Fürchten Sie sich vor diesem Druck?
Es ist immer
schwierig, mit dem Mediendruck umzugehen. Man sieht dies an Ole-Einar
Björndalen. Ich habe bei der Weltmeisterschaft 2005 in Hochfilzen mit
Silber über 20 Kilometer meine erste Einzelmedaille gemacht, aber dann
sind wir mit der Staffel leer ausgegangen.
Stimmt es,
dass Sie schon damit geliebäugelt haben, mit dem Sport aufzuhören?
Als ich 1996
nach Ruhpolding gegangen bin, hatte ich eine Lehre hinter mir. In der
Sportfördergruppe war schon im B-Kader ein enorm großer Konkurrenzdruck,
da musste ich um meine Stelle kämpfen. Und es war nicht absehbar, dass
ich immer dabei bleiben würde. Der A-Kader war damals mit Athleten wie
Frank Luck, Sven Fischer, Ricco Gross, Mark Kirchner und anderen voll.
Heute sind
Sie wahrscheinlich froh, dass Sie dabei geblieben sind?
Ja, ich habe
Durchhaltevermögen bewiesen und an mich geglaubt. Es war eine harte
Zeit. Dass es für mich jetzt in Turin ein so ein gutes Finale gegeben
hat, ist unglaublich. Aber Ende kann und will ich es nicht nennen, denn
ich will ja noch weitermachen.
Das Gespräch führte
Klaus-Eckhard Jost |
|

Drei Finger, die dritte
Goldmedaille: Michael Greis hat im Dreierpack abgeräumt.
Bild:
AP |
|
Gäubote
- Olympiamagazin: 27.02.2006
Drittes Gold:
Krönung für König Greis
Bach: „Wir sind
Wintersportnation Nummer eins" |
|
Turin - Die Bilanz
der deutschen Olympiateilnehmer ist beeindruckend. Elfmal Gold, zwölfmal
Silber und sechsmal Bronze bedeuten Platz eins im Medaillenspiegel. Drei
Athleten haben dazu besonders beigetragen.
|
VON CARSTEN MEYER
zurzeit Turin
|
|
Klaus Steinbach,
der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), war richtig gut
gelaunt. Er sollte eine kurze Bilanz der Olympischen Winterspiele aus
deutscher Sicht ziehen. Zu diesem Thema hätte Steinbach stundenlang mit
wachsendem Vergnügen referieren können. Der Kernsatz seiner Aussage war:
„Wir können Turin erhobenen Hauptes verlassen." Oder um es mit Thomas
Bach, dem Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees
(IOC), zu sagen: „Wir sind die Wintersportnation Nummer eins." Zu
verdanken haben sie dies nicht zuletzt den drei deutschen Stars dieser
Spiele.
Michael Greis: Spätestens nach seinem Sieg am Samstag im Massenstart
wusste der Biathlet Michael Greis nicht mehr, wie ihm in den vergangenen
zwei Wochen geschehen war. Drei Goldmedaillen räumte der 29-Jährige ab.
Im 20-km-Einzelrennen, in der Staffel und nun im Massenstart. Da musste
selbst Greis höhere Mächte als Erklärung hinzuziehen. „Ich danke dem
Herrn da oben für das Glück." Mit Glück alleine ist die Erfolgsserie
jedoch nicht zu erklären. „Der Michi", sagt Bundestrainer Frank Ullrich,
„ist der akribischste Arbeiter von allen." Das hat sich nun in San
Sicario endlich ausgezahlt. Dabei hätten viele an der Stelle von Greis
die Flinte schon vor Jahren ins Korn geworfen. Erst mit 24 Jahren
schaffte er den Sprung ins Weltcupteam, die ersten Erfolge ließen lange
auf sich warten. |
Seinen ersten
Weltcupsieg feierte der Nesselwanger vor einem Jahr - in San Sicario.
Dort heimste er nun das größte Lob vom Ole Einar Björndalen ein. Der
Norweger, der 2002 viermal Wilhelm hatte schon 2002 zweimal Gold und
einmal Silber gewonnen. Aber immerhin gab sie zu: „Der Wechsel tat mir
gut." Vor allem, weil sie in eine stärkere Trainingsgruppe kam - mit
Uschi Disl. Die 35-jährige Bayerin krönte am Samstag mit Platz drei im
Massenstart ihre beispiellose Karriere - es war ihre neunte
Olympiamedaille. Zusammen mit Claudia Pechstein
ist Disl damit die erfolgreichste deutsche Olympiateilnehmerin
aller Zeiten. Aber Kati Wilhelm sitzt ihr schon bedrohlich im Nacken.
Andre Lange: Es gibt Menschen, die etwas irritiert
sind, wenn sie den Spitznamen von Bobpilot Andre Lange hören. „Bärchen"
wird der 32-Jährige gerufen. Bei 1,89 Meter Größe und 92 Kilogramm
Gewicht eine recht zweifelhafte Verniedlichung der anatomischen
Gegebenheiten. Die Konkurrenz ist jedenfalls schon länger
eingeschüchtert und vor allem ziemlich
chancenlos. Lange gewann in Turin sowohl im Zweier- als auch im
Viererbob Gold. Danach steppte der Bär im deutschen Haus in Sestriere.
„Schnelle Flutung", umschrieb Lange vor Ort seine Zielsetzung. Er hatte
es sich zusammen mit seinen Anschiebern Kevin Kuske, Rene Hoppe, Martin
Putze verdient. „Da hinten sind die Rennpferde, die das Ganze
beschleunigen müssen", lobte der 32-jährige Oberhofer seine Mitfahrer im
Viererbob. Die Gegner sind mittlerweile frustriert und meckern schon mal
über den Materialvorteil des Deutschen. Sein Bob wurde vom Institut für
Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin geplant.
Kostenpunkt: 75 000 Eure. Lange kontert mit einem Vergleich: „Michael
Schumaeher wird in einem Minardi nie Weltmeister - aber auch Ferrari
wäre ohne Schumacher nicht Weltmeister geworden." Soll heißen: Ein
schneller Bob alleine reicht nicht. Man braucht auch noch ein Bärchen,
das ihn steuern kann. |
|

Stammgäste auf der Medal
Plaza: Die Biathleten Kati Wilhelm und Michael Greis (u. li.)
sowie das
Bob-Team von Andre Lange (o. re.)
Montage: StN/F.: dpa (2),
AFP |
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Gäubote
- Olympiamagazin: 27.02.2006
Rekordergebnis
verpasst
Auf Leserwunsch: Neu berechneter Medaillenspiegel |
|
Stuttgart (StN) - Die Kriterien für den
Medaillenspiegel sind im Grunde klar geregelt: Gold dominiert. Sprich:
Eine Goldmedaille zählt mehr als zehn silberne. Da kann man sich schon
einmal fragen, ob dies einer fairen Berechnung entspricht. Zahlreiche
Leser unserer Zeitung meinen Nein und regten eine andere Art der
Berechnung an. Wir kommen zum Abschluss der Olympischen Winterspiele in
Turin diesem Wunsch nach und vergeben für die gewonnenen Medaillen
Punkte: drei für Gold, zwei für Silber und einen Punkt für eine
Bronzemedaille.
Das sorgt nach den 84 Entscheidungen von
Turin für einige Veränderungen im Medaillenspiegel. Zwar nicht an der
Spitze - Deutschland bleibt die erfolgreichste Nation in Turin vor den
USA. Doch schon auf Platz drei folgt die erste Änderung: Kanada schafft
es dank zahlreicher Silbermedaillen noch auf das Podest und teilt sich
Rang drei mit Österreich. Den größten Sprung macht aber Norwegen - weil
die Skandinavier zwar nur zwei Gold-, dafür aber acht Silbermedaillen
gewannen. Von Platz 13 geht es deshalb rauf auf Rang sechs.
Erfolgreichster Athlet der Spiele war der
Südkoreaner Ahn Hyun-Soo mit dreimal Gold und einmal Bronze im
Shorttrack. Nach den Siegen über 1000 und 1500 Meter krönte er mit dem
Erfolg in der Staffel seine Leistung. Auf Platz
zwei folgt der deutsche Biathlet Michael Greis
zusammen mit der
Südkoreanerin Jin Sun-Yi (Shorttrack), die
ebenfalls dreimal gewann.
Greis
verhalf mit seiner Ausbeute der deutschen Olympiamannschaft zum
viertbesten Ergebnis aller Zeiten.
Die erfolgreichste Bilanz wurde vor vier Jahren erzielt. In Salt Lake
City gewannen die deutschen Athleten zwölf Gold-, 16 Silber- und acht
Bronzemedaillen. Es folgen die Spiele von Nagano (12-9-8) und Calgary
(11-14-8). In Kanada waren allerdings noch zwei deutsche Mannschaften am
Start. |
Medaillenspiegel neu
(Stand 84 Entscheidungen)
|
|
|
Punkte |
|
1. |
Deutschland |
63 |
|
2. |
USA |
52 |
|
3. |
Österreich |
48 |
|
|
Kanada |
48 |
|
5. |
Russland |
44 |
|
6. |
Norwegen |
31 |
|
7. |
Schweden |
30 |
|
8. |
Schweiz |
28 |
|
9. |
Südkorea |
26 |
|
10. |
Italien |
21 |
|
11. |
China |
19 |
|
12. |
Frankreich |
17 |
|
|
Niederlande |
17 |
|
14. |
Finnland |
15 |
|
15. |
Estland |
9 |
|
16. |
Tschechien |
8 |
|
17. |
Kroatien |
7 |
|
18. |
Australien |
4 |
|
19. |
Japan |
3 |
|
|
Polen |
3 |
|
21. |
Bulgarien |
2 |
|
|
Großbritannien |
2 |
|
|
Slowakei |
2 |
|
|
Weißrussland |
2 |
|
|
Ukraine |
2 |
|
26. |
Lettland |
1 |
|
Medaillenspiegel alt
(Stand nach 84 Entscheidungen)
|
|
|
Gold |
Silber |
Bronze |
|
1. |
Deutschland |
11 |
12 |
6 |
|
2. |
USA |
9 |
9 |
7 |
|
3. |
Österreich |
9 |
7 |
7 |
|
3. |
Russland |
8 |
6 |
8 |
|
5. |
Kanada |
7 |
10 |
7 |
|
6. |
Schweden |
7 |
2 |
5 |
|
7. |
Südkorea |
6 |
3 |
2 |
|
8. |
Schweiz |
5 |
4 |
5 |
|
9. |
Italien |
5 |
|
6 |
|
10. |
Frankreich |
3 |
2 |
4 |
|
|
Niederlande |
3 |
2 |
4 |
|
12. |
Estland |
3 |
|
|
|
13. |
Norwegen |
2 |
8 |
9 |
|
14. |
China |
2 |
4 |
5 |
|
15. |
Tschechien |
1 |
2 |
1 |
|
16. |
Kroatien |
1 |
2 |
|
|
17. |
Australien |
1 |
|
1 |
|
18. |
Japan |
1 |
|
|
|
19. |
Finnland |
|
6 |
3 |
|
20. |
Polen |
|
1 |
1 |
|
21. |
Bulgarien |
|
1 |
|
|
|
Großbritannien |
|
1 |
|
|
|
Slowakei |
|
1 |
|
|
|
Weißrussland |
|
1 |
|
|
25. |
Ukraine |
|
|
1 |
|
26. |
Lettland |
|
|
1 |
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Gäubote
- Titelseite: 27.02.2006
Furioses Finale in Turin
Deutsches Team auf Platz eins
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Turin (cm) - Die Olympischen Winterspiele
2006 von Turin sind Geschichte: Am Sonntag beendete die Schlussfeier die
Wettkämpfe - 2010 weht die olympische Fahne im kanadischen Vancouver.
Mit einem furiosen
Finale hat die deutsche Olympia-Mannschaft den vor vier Jahren an
Norwegen verlorenen Spitzenplatz in der Länderwertung zurückerobert: Mit
insgesamt elf Gold-, zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen
setzte sich das Team vor den USA (9/9/7) durch.
Am Wochenende gab es zum dritten
Mal Gold für Biathlet Michael Greis,
Gold für Viererbob-Pilot Andre Lange, dazu zwei
Silbermedaillen für
Eisschnellläuferin
Claudia Pechstein und
Biathletin Kati Wilhelm sowie Bronze für Biathlon-Urgestein Uschi Disl.
Am Sonntag hatte der Italiener Giorgio di
Centa den Gastgebern im 50-km-Ski-Marathon das fünfte Gold beschert, die
letzte Entscheidung fiel im Eishockey. Dabei schlug Schweden Finnland
mit 3:2.
Tagesthema |
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Abschied aus Turin: Die
deutsche Mannschaft bei der Abschiedsfeier am Sonntagabend
Foto:
dpa |
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Gäubote
- Titelseite: 27.02.2006
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TAGESTHEMA
Weltspitze
VON MARTIN HAAR
Vogelgrippe,
Streik, Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Du-bist
Deutschland. Das Land der Dichter und Denker, das nur zu gerne
in diese rätselhafte und verführerische Melancholie verfällt. Aber
sollten diese Schlagworte tatsächlich zu Trübsinn führen, dann
gilt auch der Umkehrschluss. Positive Botschaften können eine
Wirkung aussenden, der sich auch keiner entziehen kann. Die
Signale dieser Botschaft kommen aus Turin und lauten: Deutsche
Athleten sind Weltspitze.
Bei
den Olympischen Winterspielen gab es für das deutsche Team den
dritten Gesamtsieg nach 1992 und 1998. Zusammen waren es elf
Gold-, zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen.
Du-bist-Deutschland. Eine Nation ist stolz auf die herausragenden
Leistungen. Die Wintersportler haben ihren Teil dazu beigetragen,
im Land die Anflüge von Pessimismus zu vertreiben. So wie es
angeblich die Optimismus-Kampagne mit dem Slogan „Du bist
Deutschland" geschafft hat: Die Wende im Kopf herbeizuführen.
Alleine durch die positiven Signale sei dieser Werbekampagne die
Trendwende gelungen: Die Konsumlust der Deutschen wächst wieder.
Das Geschäftsklima legt ebenso zu wie die Investitionsneigung der
Unternehmen. Auch wenn es sich zunächst nur um einen gefühlten
Aufschwung handeln sollte: Mit großen Gefühlen lässt sich viel
bewegen. Das lehrten uns die deutschen Athleten in Turin. Ihre
Spitzenleistung zeigt: Du bist Deutschland. Jeder kann alles sein
- wenn er nur will. Jeder darf symbolisch in den Medaillenspiegel
schauen und sich darin wieder finden. So gesehen haben die
deutschen Sportler nicht nur ein Top-Ergebnis erzielt, ihre
Leistung ist eine Botschaft für mehr Zuversicht.
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